Deutscher Nachhaltigkeitspreis Design

Mit "Cerberus", einem teilautonomen Kultivierungssystem zur maritimen Algenzucht, haben die drei Industrial-Design-Studierenden Ony Yan, Arthur Worbes und Bernhard Büttner den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Design 2022 in der Kategorie "Visionen" gewonnen.

Algen stellen eine nachhaltige Ergänzung der Lebensmittelindustrie dar. Doch sie können noch mehr: in Kosmetika, Treibstoff in Form von E-Fuels, Medizin, Textilverarbeitung oder als 3D-Druckmaterial. Die Forschung konzentriert sich momentan auf die Verarbeitung und Verwendung der Wasserpflanze, während Kultivierung und Ernte zu kurz kommen. Genau hier setzt "Cerberus" mit seinem dreiteiligen Anbau- und Erntekonzept an:

  • Anbaubojen, an denen die Algen wachsen,
  • Erntefahrzeuge, die mithilfe eines neu konzipierten Werkzeugs die Algen einsammeln und
  • ein Mutterschiff, das die Algenmasse zentral zwischenlagert und die Operation der Ernter steuert.

In dem von Yan, Worbes und Büttner entwickelten Konzept wird der Erntevorgang effizient automatisiert und bestehende, knappe Anbaugebiete an der Küste effektiver genutzt. Die Bojen generieren ein Plus von 90 Prozent Anbaufläche und verzichten dabei auf Wegwerfnetze als Trägermaterial. Die Kultivierung ist im Gegensatz zur Landwirtschaft nicht nur CO₂-neutral, sondern im Gesamtkonzept klimapositiv. Teils prekäre Arbeitsverhältnisse werden eliminiert. Die gefährliche und anstrengende Arbeit auf Ernteboten wird von den Erntefahrzeugen übernommen. Die nötige Wartung der Technik und andere Aufgaben auf dem Mutterschiff schaffen bessere Jobs.

"Cerberus" ist im Rahmen des Hauptprojektes "Cyber MOG" im 3./5. Semester im Studiengang Industrial Design entstanden. Die Betreuung übernahmen Prof. Jan Vietze von der HTW Berlin sowie Dipl.-Ing. Martin Werner vom Kooperationspartner Mercedes Benz AG. Ziel des Hauptprojektes war es, dass die Studierenden Ideen für neue universale und intelligente Geräteträger für die Landwirtschaft der Zukunft entwickeln.

"Die Auszeichnung hat uns bestätigt, dass wir mit diesem Projekt ein Potenzial für eine tatsächlich nachhaltige Kultivierung der Zukunftsressource Alge freigelegt haben. Klimapositive Land-, oder besser, Wasserwirtschaft ist möglich. Das Projekt läuft weiter und wir hoffen, dass es auch künftig breite Motivation für die ganze Branche der Lebensmittelindustrie und Ressourcenbeschaffung ist, nachhaltigen Konzepten Raum zu geben", so die drei Preisträger*innen.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist Europas größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement und prämiert wegweisende Beiträge zur Transformation in eine nachhaltige Zukunft.