Grabungstechniker_innen bergen Steinzeitgrab

„Es war der krönende Abschluss unserer diesjährigen Lehrgrabung“, freut sich Prof. Dr. Thomas Schenk, Wissenschaftlicher im Studiengang Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik. Nachdem er mit seinen Studierenden 2014 bereits eine spektakuläre und in den Medien als  „ältestes Baby der Welt“ bezeichnete Säuglingsbestattung freigelegt hatte, gelang im märkischen Groß Fredenwalde jetzt erneut die Bergung eines etwa 8.000 Jahre alten Grabes.  Aus konservatorischen und methodischen Gründen wurde auch dieser Fund nicht vor Ort freigelegt; vielmehr wurde der Sandblock mit den Knochen in eine Holzkiste gepackt und an die HTW Berlin transportiert. Deshalb ist bisher über den Grabinhalt, die Knochenerhaltung, das Individuum praktisch nichts bekannt.

Die Arbeiten auf dem Weinberg in Groß Fredenwalde finden im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojektes statt, das der Frage nach dem Übergang von der Mittelsteinzeit mit ihren nicht sesshaften Kulturen zur Jungsteinzeit mit Ackerbau und Viehzucht nachgeht. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt wird als Kooperation von der Universität Kiel, der HTW Berlin , dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Brandenburgischen Amt für Denkmalpflege durchgeführt. Mehr dazu auf der Webseite.

Bei großer Hitze hatten die Studierenden unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Schenk den Fund bis zum Abend transportfähig gemacht. Dafür hatten sie das Grab von oben freigelegt und dann als Block herauspräpariert, sodass eine Holzkiste darübergestülpt werden konnte. Der schwierigste Arbeitsschritt war die Freilegung von unten. Um das Grab vorsichtig Stück für Stück unterhöhlen zu können, wurde die Kiste als Stollentruhe konstruiert. In langwieriger Arbeit wurden Leisten nacheinander von unten an die Kiste geschraubt. Auch dabei mussten entstandene Hohlräume von unten gefüllt werden – ein kniffliger Arbeitsschritt.

Bei der Bergung mit einem Traktor aus der Grube, erhielt das Team um Prof. Schenk Hilfe aus Groß Fredenwalde, wo ein großes Interesse an den steinzeitlichen „Vorfahren“ besteht. Mittlerweile befindet sich das Grab in den Räumen der HTW in Berlin und harrt auf weitere Untersuchungen. Verschiedene Untersuchungsschritte sind geplant, u.a. die „Durchleuchtung“ in einem Tomographen. Bevor erste Ergebnisse vorliegen, wird einige Zeit vergehen – das Grab muss sehr sorgfältig und vorsichtig behandelt werden, um den Inhalt nicht zu beschädigen.