Modische Kleidung für Menschen mit Handicap

Die Rollstuhlfahrerin wünschte sich eine schicke Bluse, die ihre Armfreiheit nicht einschränkte. Der Prothesenträger träumte von einer Herrenhose mit gleichmäßiger Silhouette, die das Fehlen seines zweiten Beins kaschiert. Weil modische Kleidung für Menschen mit Behinderung noch immer selten ist, ergriffen angehende Bekleidungstechniker_innen der HTW Berlin die Initiative. Sie entwickelten und schneiderten Kleidungsstücke sowie Hilfsmittel für vier Models mit körperlicher Beeinträchtigung, die nicht nur passen, sondern auch modisch sind. „Wir wollen die Inklusion weiter vorantreiben“, sagt die Lehrbeauftragte Dr. Yanina Urusova, die das Projekt betreute.

Um zu wissen, worauf sie bei Schnitten und Stoffen achten müssen, betrieben die Studierenden eine sorgfältige Recherche, besuchten einen Physiotherapeuten und arbeiteten eng mit ihren Models zusammen. Wo darf es nicht zu knapp bemessen, wo muss es länger sein, wo ist ein hoher Stretchanteil wichtig für Wohlbefinden und Funktionalität? Denn Dr. Yanina Urusova hatte das Leitmotiv einer inklusiven Gesellschaft vorgegeben: „Nichts über uns ohne uns“.

Besonders wichtig war, dass die Models mit dem neuen Outfit zufrieden waren. Sie waren glücklich, zeigte sich bei der abschließenden Projektpräsentation. "Eigentlich schauen alle Hosen doof an mir aus", meinte der Prothesenträger. Doch die von den Studierenden der HTW Berlin geschneiderte sei nicht nur superschick, sondern auch sehr bequem. Wie die anderen Models auch bedankte er sich herzlich für das Engagement.

Die Zielgruppe ist eigentlich groß, sagt Dr. Urusova: „Allein in Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt mehr als 10 Millionen Menschen mit Behinderung, weltweit sind es mehr als 1,3 Milliarden.“