Persönliche Tipps vom Career Service: Gut arbeiten und studieren im Homeoffice

Online und mit Corona bedingten Einschränkungen zu Hause zu studieren und zu arbeiten fällt vielen schwer. Auch für uns war es eine komplette Umstellung und wir haben in den letzten neun Monaten dazugelernt. Was uns persönlich hilft im Homeoffice gut und konzentriert zu arbeiten, möchten wir heute mit Ihnen teilen. Da jede Person anders ist, gibt es leider keine einfache Lösung für alle. Wir hoffen aber, dass unsere Erfahrung Sie inspiriert. Vielleicht probieren Sie den einen oder anderen Tipp aus oder es bringt Sie etwas näher dahin, herauszufinden, was Sie brauchen, damit Sie gut studieren können.

Lesedauer: ca. 5 min

1. Mit der inneren Uhr arbeiten statt dagegen
Ich bin keine Frühaufsteherin. Daher schlafe ich lieber etwas länger und fange später an, bin aber dafür viel wacher, konzentrierter und produktiver. Nachmittags habe ich manchmal ein Leistungstief, was ich durch Gespräche mit anderen vermeiden kann. Daher versuche ich Termine (z.B. für Besprechungen) auf genau diese Zeit zu legen. Durch den Austausch bin ich wach und konzentriert. Wenn es Ihnen genauso geht, dann können Sie versuchen, die Gruppenarbeit auf diese Zeit zu legen. Und das Video zu einer Vorlesung schauen Sie sich dafür am Vormittag an. Erkunden Sie also Ihre Chronobiologie (z.B. hier) mit Ihrem individuellen Leistungszyklus und versuchen Sie sich den Tag entsprechend zu strukturieren, wenn es Ihr Stundenplan zulässt. Egal, ob es ein erholsamer Mittagsschlaf nach einem anstrengenden Morgen für Lärchen ist oder eine Lernschicht am späten Abend für Eulen – was für Sie funktioniert, ist erlaubt.

2. Verbündete für feste (Online-)Verabredungen
Das Career Service-Team hört sich jeden Morgen um 9 Uhr bei BigBlueButton (natürlich nur unter der Woche ;-) ). Auch wenn ich oft schon vorher beginne, ist das für mich der „offizielle“ Start in den Tag. Ich weiß, dass ich spätestens dann am Arbeitsplatz sitze und anfange. Falls bei Ihnen der Start in den Arbeitstag nicht durch Vorlesungen am Vormittag vorgegeben ist, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich Verbündete zu suchen. Gibt es eine oder mehrere Personen, mit der Sie sich verbindlich jeden Morgen (online) verabreden können – Kommiliton_innen, Freunde, Familie, Mitbewohner_innen? Wenn jeder Morgen für die andere Person nicht möglich ist, dann können Sie sich vielleicht mit einer am Montag verabreden und mit einer anderen am Mittwoch. Wenn Sie nicht mit dieser Person zusammenwohnen, dann vereinbaren Sie, dass Sie sich per Skype, Zoom o.ä. hören, damit Sie auch wirklich an Ihrem Computer sitzen. Es ist viel leichter mit dem Lernen anzufangen, wenn Sie schon direkt davorsitzen und bereits die Vorlesungsmaterialien mit ein paar Klicks geöffnet haben. Wenn Sie sich mit Kommiliton_innen oder Freunden, die ebenfalls studieren, verabreden, dann können auch gemeinsam bei Skype, Zoom etc. online bleiben, während jede_r für sich studiert.

3. Blick weg vom Bildschirm
Den ganzen Tag am Bildschirm zu sitzen ist nicht nur für die Augen, sondern auch für den Kopf und Körper extrem anstrengend. Ich achte darauf, dass ich meinen Augen immer wieder eine Bildschirmpause gönne – auch wenn es nur eine klitzekleine ist. Ich versuche nicht alles digital zu machen, sondern nutze zum Beispiel handschriftliche Notizen. (Dadurch werden übrigens auch mehr Hirnareale angesprochen, was den Lernprozess positiv beeinflusst.) Wenn ich mit anderen online spreche, tendiere ich dazu, dass ich auf den Bildschirm starre, auch wenn es dort nichts zu sehen gibt. Daher übe ich mich darin, stattdessen beim Zuhören aus dem Fenster zu schauen. Wenn ich einen Arbeitsblock beendet habe, dann stehe ich auf, gehe ans Fenster und schaue kurz hinaus. Dadurch unterbreche ich auch das schädliche Dauersitzen.

4. In Bewegung kommen und ab nach draußen
Gegen das schädliche Dauersitzen hilft nur Bewegung (vor allem durch dessen häufige Unterbrechung mit zumindest kurzem Aufstehen). Da viele Sportmöglichkeiten durch Corona wegfallen (und ich weg vom Bildschirm will), nehme ich an einer Schritte-Challenge teil. So bekomme ich nicht nur Bewegung, sondern auch frische Luft und der Faulpelz in mir ist gezähmt, wenn es durch Kälte, Nässe oder Dunkelheit nicht einladend ist. Wenn es meine Termine zulassen, versuche ich zwei Mal am Tag rauszugehen. Tageslicht ist superwichtig, daher plane ich, wenn möglich, Zeit nach dem Mittagessen für einen Spaziergang ein (und umgehe ebenfalls das Nachmittagstief). Außerdem gehe ich nach Feierabend eine Runde raus. Dann ist es zwar leider schon dunkel, aber die frische Luft und Bewegung tut mir gut und ich kann besser gedanklich abschalten. Vielleicht gibt es eine Person, die mit Ihnen spazieren geht? Musik, Podcasts oder Telefonate vertreiben die Zeit ebenfalls.

Extra-Tipp: Ich versuche mir die Zeit für den "Pausensport Online" der HTW zu nehmen: Dieser findet dienstags und donnerstags von 11.00 – 11.30 Uhr online in Moodle statt und es sind ausdrücklich auch Studierende willkommen. Die leichten, aber effektiven Übungen sind dafür gedacht, Schäden durch lange Schreibtischarbeit vorzubeugen. Sie sind auch für Unsportliche geeignet. Es ist weder eine Anmeldung nötig noch Sportzeug und die Kameras der Teilnehmenden bleiben aus.

Diese Tipps mögen auf Sie trivial wirken, aber ich merke für mich einen großen Unterschied zum Anfang der Homeoffice-Zeit, in der ich noch nicht darauf geachtet oder es nicht regelmäßig gemacht habe. Wenn Sie also im Online-Semester Schwierigkeiten haben gut zu lernen, dann suchen Sie aktiv danach, was Ihnen hilft. Probieren Sie Verschiedenes aus und geben Sie dem eine Chance. Manches hat sofort eine Wirkung (wie beispielsweise Noise-Cancelling-Kopfhörer), während anderes eine Weile braucht. Insbesondere die Etablierung von Gewohnheiten dauert zwei-drei Monate. Wichtig ist, dass Sie akzeptieren, dass nicht jeder Tag gleich ist und es zwischendurch mal Tage gibt, an denen es nicht so klappt wie es soll. Aber nehmen Sie das, was Ihnen ein klitzekleines bisschen hilft und bleiben Sie dran.

Diese Tipps sind von Anne-Kathrin Böttcher.