Siedlung aus Zeit der Völkerwanderung

Jan Liebrecht studiert Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik an der HTW Berlin und wohnt im brandenburgischen Havelland. Auf einem Acker, direkt hinter seinem Gartengrundstück, entdeckte er Tonscherben, verbrannte Knochen und eine bronzene Fibel (Gewandspange). Alles deutete zunächst auf einen bislang unbekannten Bestattungsplatz des 4./5. Jahrhunderts nach Christus hin. Der hiesige Landwirt hatte sein Feld im Frühjahr tief umgebrochen, weshalb mit entsprechenden Zerstörungen des Fundes zu rechnen war. Das zu prüfen war Ziel des Ausgrabungsprojektes, an dem die Studierenden der der Grabungstechnik-Feldarchäologie im November 2021 beteiligt waren.

Entgegen den Erwartungen wurden bei den Ausgrabungen keine Hinweise auf Grabanlagen sichtbar, sondern Spuren einer völkerwanderungszeitlichen Siedlung oder kleineren Hofstelle. Die Studierenden fanden Überreste von Siedlungsabfällen, hauptsächlich Keramikscherben und Tierknochen, sowie eine in den Boden eingetiefte Hütte, ein sogenanntes typisch germanisches Grubenhaus. Das Grubenhaus wurde im 5. Jahrhundert offenbar aufgegeben, vielleicht wegen Baufälligkeit, wenngleich die Siedlung noch einige Jahre bestanden haben muss. Das verbliebene Erdloch nutzen die Bewohner*innen zur Entsorgung, z.B. für zerschlagenes Geschirr und für Schlachtabfälle.
Die Grabung brachte weitere bemerkenswerte Funde zu Tage, darunter das Bruchstück einer weiteren Fibel, eine eiserne Pfeilspitze, einen verzierten Knochenkamm, aber auch Hinweise auf verschiedene handwerkliche Tätigkeiten wie Textilproduktion und Geweihverarbeitung.

Die Aufarbeitung dieses Studienprojektes wird noch das gesamte Wintersemester in Anspruch nehmen. Neben der Bestimmung der Funde wird insbesondere die Auswertung der umfangreichen digitalen Daten eine wichtige Aufgabe sein.