Startups: Dynamisches Arbeitsumfeld für agile Denker

Am Dienstag, den 4. Dezember 2018, fand auf dem Campus Wilhelminenhof das Career Service-Podium zum Thema „Bist DU ein Startup-Typ?“ statt. Die geladenen Gäste waren eine bunte Mischung ausHTW-Absolventen, Personaler_innen und einer Studentin der HTW Berlin, die ihreEindrücke und Erfahrungen aus der Arbeit in Startups mit dem Publikum teilten. EingeladeneGäste waren: Analena Stock (Recruiterin bei reBuy), Holger Resack (Gründer undGeschäftsführer von HR-RECRUITING SERVICES), Stefan Hoth (Head of Operationsbei novoda), Tais da Rocha Conceicao (PraktikantinBusiness bei fliit) und David Meyer (Mitgründer und CFO bei DeineStudienfinanzierung.de). Ihre Beiträge werden im Folgenden zusammenfassenddargestellt.

Startup als Label für Unternehmen

Der BegriffStartup ist viel mehr als ein junges Unternehmen mit einer innovativen Idee und dem Potential schnell zu wachsen. Es steht für relativ flache Hierarchien, Spielräume zum Ausprobieren von Ideen und Austesten von verschiedenen Lösungsansätzen. Es handelt sich dabei auch um ein Label, welches sich etablierte Unternehmen mit über 10 Jahren Erfahrung geben. Das Label Startup ist ein Mindset, das eine agile Herangehensweise zur Verbesserung und Erneuerung eines Produktes bzw. einer Dienstleistung sowie den Willen zur Veränderung ausmacht.

Welche Aufgaben stehen an? Welche Personen werden gesucht?

Bei der täglichen Umsetzung der innovativen Idee eines Startups tauchen Probleme auf, die erkannt und gelöst werden müssen. Daher werden in Startups Mitarbeiter_innen gebraucht, die sich selbstständig Wissen und Kompetenzen aneignen sowie umsetzen können, damit Probleme schnell identifiziert und im Team eine passende Lösung gefunden werden kann. Vorgegebene Lösungen und Strukturen gibt es gerade in noch sehr jungen Startups nicht. Unterschiedliche Perspektiven, Meinungen und Ideen der Mitarbeitenden werden im Team diskutiert und anschließend Lösungswege experimentell umgesetzt.

Aufgrund der täglichen Herausforderungen und Grenzen, welche den Aufbau des persönlichen Know-How‘s fördern, haben Mitarbeitende in Startups eine steile Lernkurve. Sie arbeiten oft an mehreren Projekten gleichzeitig und stehen mit verschiedenen Mitarbeitenden in Kontakt. Nebenprojekte können zu einer „Spielweise“ werden, sich und seine Fähigkeiten auszuprobieren. Daher sind Begeisterungsfähigkeit, der Wille zur persönlichen Weiterentwicklung und Kritikfähigkeit wichtige Eigenschaften, die man bei der Arbeit in einem Startupmitbringen sollte. Die Kehrseite dieser Freiheit ist, dass der Einzelne viel Verantwortung übernimmt, weil es aufgrund der schnellen Dynamik wenig Puffer zur Abfederung von Fehlentscheidungen gibt.

Weitere wichtige Eigenschaften sind Authentizität und Kommunikation. Aufgrund der ausgeprägten Teamarbeit spielen Sympathie und zwischenmenschliche Chemie zwischen den Mitarbeitenden sowohl für die Zufriedenheit der Einzelnen als auch für die Weiterentwicklung des Produktes bzw. der Dienstleistung eine bedeutende Rolle.

Wie finden Recruiter heraus, ob Bewerber_innen in ein Startup passen?

Recruiter finden zunächst durch Gespräche heraus, welcher Typ mit welchen Fertigkeiten in einem Unternehmen bzw. Team gesucht wird. Sie fühlen vor, welches Vorwissen und welche Kompetenzen aberauch welches Mindset der potentielle Kandidat mitbringen sollte, damit die Zusammenarbeit für beide Seiten langfristig zufriedenstellend ist.

In den Bewerbungsgesprächen werden durch Nachfragen und kleineren alltagsnahe Aufgaben herausgefunden, wie der Bewerbende an Aufgaben herangeht, welche Ideen er hat und wie mit (Konflikt-)Situationen umgegangen wird.

Im Recruitingprozess orientieren sich Personaler zunehmend an der Zielgruppe. Die Tendenz geht weg von der „Post and pray“, bei der Stellenausschreibungen über alle Kanäle verbreitet werden, hin zur Suchen nach potenziellen Kandidaten auf Portalen wie Xing, LinkedIn und fachspezifischen Plattformen.

Startup vs. Unternehmen: Wo ist der größere Lerneffekt?

In Startups arbeiten oftmals nicht unbedingt Personen, die bereits über langjährige Erfahrungen in ihrem Arbeitsbereich verfügen. Das liegt daran, dass gerade in der Anfangsphase häufig wenig Geld zur Verfügung steht. Zudem werden schnelle Lösungen und Umsetzungsmöglichkeiten gesucht, da das Ziel in der Fertigstellung des Produktes zum Launch liegt. Wenn das Produkt irgendwann stabil funktioniert und neue Features eingebaut werden sollen, bedarf es an erfahrenden und spezialisierten Mitarbeitenden.

In großen, etablierten Unternehmen arbeitet hingegen oft sehr gut spezialisiertes Fachpersonal, von deren Erfahrungen Berufseinsteiger profitieren können. Es gibt bereits Strukturen, wie Produkte entwickelt und auf dem Markt etabliert werden. Die Kehrseite besteht darin, dass es teilweise wenig neuen Input und neue  Herangehensweisen gibt.

Beide Unternehmensarten haben ihre Vor- und Nachteile. Daher sollte sich jeder persönlich fragen: Wo passe ich rein? Will ich mir Sacheneher selbst beibringen oder von den Erfahrungen anderer profitieren? Möchte ich von zu Hause, vom Strand etc. mit flexiblen Arbeitszeiten oder an festen Tagen zu festen Zeiten im Büro arbeiten?

Der Tipp der Experten: Im Studium hat man die Zeit, beides auszuprobieren und herauszufinden, was man will und was nicht. Der gesammelte Erfahrungsschatz und die gewonnenen Erkenntnisse wurden von den anwesenden Personaler_innen sogar als positiv und hilfreich für den späteren Berufseinstieg hervorgehoben. Auch im späteren Berufsleben kann es Zeitpunkte geben, an denen man eine neue Herausforderung sucht und zwischen verschiedenen Arbeitsweisen wechselt.

Während des Podiums war der dynamische Charakter, der in Startups herrscht, auch in der Interaktion zwischen den geladenen Gästen wiederzuerkennen. Wer in einem dynamischen, schnellen Arbeitsumfeld mit großen Entscheidungs- und Handlungsspielraum arbeiten möchte sowie die Bereitschaft zur selbstständigen Aneignung von Kompetenzen und zur Übernahme von Verantwortung hat, ist in einem Startup genau richtig aufgehoben.