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Thesenpapier

Bei dieser Beschreibung handelt es sich um einen idealtypischen Prototypen der Prüfungsform. Dieser ist offen für individuelle Anpassungen an Ihre jeweiligen Lernziele und Bedürfnisse.

1. Worum geht es bei dieser Prüfungsform?

Mit einem Thesenpapier entwickeln Studierende zu einem übergeordneten Thema und einer klar formulierten Fragestellung mehrere Thesen. Es wird häufig als Vorbereitung für eine mündliche Prüfung, ein Referat oder eine Hausarbeit verwendet.

Die Thesen werden kurz, prägnant und nachvollziehbar formuliert und durch knappe Begründungen oder Kommentare erläutert. Ziel ist es zentrale Aussagen zuzuspitzen, Positionen kenntlich zu machen und diese argumentativ zu stützen.

Es werden besonders folgende Kompetenzen sichtbar:

  • fachliche Kompetenzen (z. B. Verständnis zentraler Theorien und Diskurse)
  • methodische Kompetenzen (z. B. Analyse, Strukturierung, wissenschaftliches Arbeiten)
  • bei Gruppenarbeiten: soziale Kompetenzen wie Diskurs- und Kooperationsfähigkeit
  • analytisches Denken und argumentatives Verdichten
  • reflektierter Umgang mit Fachliteratur

2. Wie läuft die Prüfung ab?

Vorbereitung

  • das übergeordnete Thema sowie eine erkenntnisleitende Fragestellung festlegen oder den Rahmen für eine eigenständige Themenwahl durch die Studierenden definieren
  • geeignete Pflicht- und/oder Ergänzungstexte auswählen oder Kriterien für eine eigenständige Literaturrecherche vorgeben
  • klären, was unter einer wissenschaftlichen These zu verstehen ist (erklärender Anspruch, Überprüfbarkeit/Falsifizierbarkeit)
  • Thesen explizit von reinen Faktenaussagen oder Beschreibungen abgrenzen
  • formale Anforderungen (z. B. Umfang, Struktur, Zitierstil, Abgabemodus) definieren
  • Bewertungskriterien entwickeln und den Studierenden zeitnah zur Verfügung stellen
  • im Seminar Übungen ermöglichen (z.B. gemeinsam Thesen bilden, Beispiele analysieren)
  • formale Anforderungen (Umfang, Abgabeformat, Zitierstil, etc.) definieren und an die Studierenden kommunizieren

Durchführung

  • das Thema und die Fragestellung verbindlich freigeben bzw. eingereichte Themenvorschläge prüfen und bestätigen
  • bei Bedarf Betreuung in Form von regelmäßigen Sprechstunden oder per Mail anbieten (enge Betreuung kann Eigenständigkeit der Studierenden in der Erstellung unterstützen)
  • (je nach Lehrkonzept) eine mündliche Vorstellung der Thesenpapiere oder deren Nutzung als Diskussionsgrundlage ermöglichen
  • bei Gruppenarbeiten darauf achten, dass die individuelle Beteiligung der einzelnen Studierenden nachvollziehbar bleibt

Nachbereitung 

  • Thesenpapiere anhand der zuvor kommunizierten Kriterien bewerten
  • möglichst konkretes Feedback geben (v.a. zur analytischen Tiefe und zur Qualität der wissenschaftlichen Arbeitsweise zur Vorbereitung auf eine Abschlussarbeit)
  • Studierenden Einsicht gewähren
  • Prüfungsleistung über die Dauer von zwei Jahren archivieren
  • möglich (wenn Abgabe innerhalb des Semesters vorliegt) ausgewählte Thesenpapiere exemplarisch zur Reflexion im Seminar (z. B. zur Diskussion gelungener Thesen) nutzen
  • Prüfungsformat im Hinblick auf Passung zu Lernzielen, Kompetenzniveau der Studierenden und Arbeitsaufwand reflektieren und ggfls. anpassen

3. Welche Bewertungskriterien gibt es?

Bewertungskriterien können je nach Fach und spezifischen Anforderungen variieren. Im Allgemeinen können Sie auf folgende Aspekte eingehen und je nach Ausgestaltung um individuelle Aspekte ergänzen:

  • Passung der Thesen zur Fragestellung
  • fachliche Richtigkeit und wissenschaftliche Fundierung
  • Nachvollziehbarkeit und logischer Aufbau der Argumentation
  • Qualität der Begründungen (analytisch vs. deskriptiv)
  • Kohärenz und innere Logik
  • Angemessene Nutzung und korrekte Zitation von Quellen
  • sprachliche Präzision und Klarheit

4. Wie kann ich Täuschungsversuchen vorbeugen?

Täuschungsresistenz im didaktischen Design anlegen:

  • klar eingegrenzte, kontextspezifische Fragestellung
  • individuelle oder seminarbezogene Themen
  • Verpflichtung zur expliziten Bezugnahme auf konkrete Texte
  • Kombination mit einer kurzen mündlichen Erläuterung oder Diskussion aus der Lehrveranstaltung
  • transparente Anforderungen an Eigenständigkeit und Zitation (z.B. über Eigenständigkeitserklärung, KI-Verzeichnis)
  • durch Fokus auf Analyse, Zuspitzung und argumentative Logik Täuschen unattraktiv machen
  • für akademische Integrität sensibilisieren und auf Konsequenzen hinweisen

5. Welche Vorteile hat diese Prüfungsform?

  • unterstützt die Entwicklung wissenschaftlicher Schreibkompetenz
  • fördert vertiefte Auseinandersetzung mit Fachliteratur
  • trainiert analytisches Denken und argumentatives Schreiben
  • vergleichsweise zeitökonomisch in Erstellung und Bewertung
  • Thesenpapiere können für spätere Lehrveranstaltungen als Beispiele oder aktuelles Lehr-Lern-Material genutzt werden
  • gute Vorbereitung der Studierenden für Abschlussarbeit und Kolloquium


6. Welche Herausforderungen gibt es (und wie kann ich diesen begegnen)?

  • Unklarheit bei Studierenden über inhaltliche Erwartungen der Lehrperson an das Thesenpapier → verdeutlichen, dass Zuspitzung, Argumentation und Positionierung im Fokus stehen
  • Unterschiedliche Qualität der Thesen → Anforderungen an wissenschaftliche Thesen (Kriterien) erläutern, Beispiele geben und im Vorfeld Übungsmöglichkeiten einräumen
  • Unsicherheit im Umgang mit KI-Tools bei Studierenden → Übungs- und Reflexionsmöglichkeiten einräumen; Fokus auf Logik, Struktur und fachliche Einbettung

7. Mit welchen anderen Formen lässt sich diese Prüfungsleistung sinnvoll kombinieren?

Referat (Thesenpapier als Handout oder Diskussionsgrundlage), Mündliches Prüfungsgespräch (Thesenpapier als Vorbereitung), Hausarbeit/Seminararbeit (Thesenpapier als Vorstufe zur Fragestellung), Debatte oder strukturierte Diskussion, Peer-Feedback

8. Wie sieht der rechtliche Rahmen an der HTW Berlin aus?

Stand 01.10.2025

  • schriftliche Art der Leistung § 13 gemäß RStPO (oder als Teil einer Kombinationsprüfung)
  • Thema schriftlich oder via Moodle bestätigen lassen oder festlegen, ab wann eine Prüfung als angetreten gilt
  • falls als Teilleistung genutzt: Punkte und Bewertung erst mitteilen, wenn ALLE Teilleistungen erbracht sind und dann EINE Gesamtnote vergeben
  • sofern weitere Prüfungsteile hinzukommen, auf die Kompensierbarkeit der Leistung achten: d.h. keine Teilleistung muss für sich einzeln bestanden sein, sondern die Studierende erreichen über Teilleistungen lediglich Punkte für eine zu erbringende Gesamtleistung
  • Noten nur über das LSF bekannt geben
  • bei Durchführung als Gruppe individuellen Anteil durch Studierende kenntlich machen lassen (z.B. über vorher festgelegte Rollen, Group Contract oder Reflexionsberichte über die gemeinsame Arbeit)

 

Weitere Hinweise finden Sie in der aktuellen Rahmenstudien- und Prüfungsordnung.  

9. Wie kann diese Prüfungsform im digitalen Kontext der HTW Berlin umgesetzt werden?

mit der Aktivität "Aufgabe" entgegennehmen und bewerten

  • in Moodle die Aktivität "Aufgabe" anlegen
  • in den Einstellungen der Aktivität die Aufgabenstellung, Informationen zur Bearbeitungszeit und Form der Abgabe festlegen und ggf. ein Dateiformat (PDF empfohlen) vorgeben
  • Bewertung erfolgt direkt über Moodle, Anmerkungen in PDF-Dateien sind möglich
  • Nutzung erweiterter Bewertungsmethoden wie Richtlinien oder Rubrics (Bewertungsraster) sind möglich
  • Abgaben können auch als Gruppe realisiert werden
  • Studierende können Ihr Feedback, Bewertung und ggf. Kommentare einsehen

Alternative: mit der Aktivität "Forum" entgegennehmen, bewerten und die Diskussion von Arbeitsergebnissen ermöglichen

  • in Moodle die Aktivität "Forum" anlegen
  • ermöglicht neben Abgabe und Bewertung auch in einzelnen Beiträgen verschiedene Versionen des Thesenpapiers zu diskutieren
  • Studierende legen im Forum ein neues Thema an und laden ihr Thesenpapier hoch und können eigene oder andere Thesenpapiere über "Antwort" kommentieren
  • ein angelegtes Thema über "Erweiterte Bewertung" und nach vorgegebenen Kriterien bewerten (verschiedene Bewertungsmöglichkeiten stehen zur Auswahl)
  • Bewertungen bleiben nur für einzelne Studierende sichtbar

Quellen

  • Keller, H. & Boeckh, J. (2022). Thesenpapier. In J. Gerick, A. Sommer & G. Zimmermann (Hrsg.), Kompetent Prüfungen gestalten. 60 Prüfungsformate für die Hochschullehre. (S. 326-329). Münster & New York: Waxmann.

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