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Evaluation der Auswirkungen der Förderung lokaljournalistischer Angebote durch die SLM mit Mitteln des Freistaates Sachsen

Auftrags-, Kooperative Forschung

Mit der beantragten Studie sollen die Auswirkungen der Förderung lokaljournalistischer Angebote durch die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) mit Mitteln des Freistaates Sachsen im Förderzeitraum 2023/2024 evaluiert werden.

Im Zentrum der Studie steht die grundlegende Frage, ob die Förderung lokaljournalistischer Angebote zur Erreichung der in § 28b Abs. 1 SächsPRG genannten Ziele beiträgt: nämlich ein möglichst flächendeckendes, vielfältiges und qualitätsvolles Nachrichten- und Informationsangebot mit engem Bezug zum lokalen und regionalen Geschehen in den sächsischen Kulturräumen zu ermöglichen.

In der Konzeption und Argumentation des vorliegenden Angebotes beziehen wir uns vor allem auf die normative Rolle des Lokaljournalismus in demokratischen Gesellschaften. Hier hebt die Forschung hervor, dass Lokaljournalismus nicht allein Informationsbereitstellung leistet, sondern zentrale Funktionen für Öffentlichkeit, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt erfüllt, darunter:

  • Demokratie- und Integrationsfunktion: Lokaljournalismus trägt wesentlich zur „kommunikativen Infrastruktur“ bei, indem er bürgernahe Diskursräume eröffnet und lokale Öffentlichkeit herstellt (vgl. Hepp & Loosen 2019; Löffelholz 2004).
  • Transparenz und Kontrolle: Durch die kontinuierliche Beobachtung kommunaler Politik, lokaler Institutionen und gesellschaftlicher Entwicklungen übernimmt Lokaljournalismus die Rolle eines „Watchdog“ auch auf lokaler Ebene (vgl. McQuail 2010; Hanitzsch & Vos 2018).
  • Partizipation und Identität: Lokale Medien fördern Identifikation mit Regionen und Gemeinden, stärken Zugehörigkeitsgefühle und ermöglichen Beteiligung durch Sichtbarmachung vielfältiger Stimmen (vgl. Peters & Broersma 2013).

Vor diesem Hintergrund sind die Evaluationskriterien Vielfalt und Qualität nicht nur technische Prüfgrößen, sondern ganz im Sinne der normativ-analytischen Forschungstradition (vgl. z. B. Kolb 2015) normative Maßstäbe, welche die demokratische Leistungsfähigkeit des Lokaljournalismus in den verschiedenen Kulturräumen des Freistaates betreffen. Das Sächsische Kulturraumgesetz verweist hier vor allem auf die Aspekte Partizipation und Identität.

Weiterhin ist

  • Vielfalt einerseits ein Kernkriterium journalistischer Qualität und damit Voraussetzung für eine funktionierende Öffentlichkeit (vgl. McQuail 1992; Maurer & Reinemann 2016). Lokaljournalismus sollte in diesem Kontext eine möglichst breite Themenagenda (Politik, Wirtschaft, Kultur, Soziales) abbilden und den Menschen verschiedene Perspektiven zugänglich machen (Themen- und Meinungsvielfalt).
  • Qualität bezieht sich andererseits auf journalistische Standards wie professionelle Gestaltung (auch Vielfalt der Genres und Formate), Faktizität, Relevanz (zum Teil im Gegensatz zu thematischer Vielfalt) und Verständlichkeit (vgl. Arnold 2009; Meier 2018). Qualitätsjournalismus vor Ort bedeutet: Bürger:innen werden zuverlässig über relevante lokale Entwicklungen informiert, komplexe Themen werden verständlich aufbereitet, und die Berichterstattung erfolgt unabhängig, fair und transparent.
  • Partizipation und Identität wird dann durch Lokaljournalismus gefördert, wenn sich Menschen in ihrem Lebens- und Wohnumfeld in der Berichterstattung wiederfinden, wenn Lokaljournalismus das abbildet, was sich im Kulturraum aktuell ereignet (Orts- und Akteursbezug).

Die Förderung des Lokaljournalismus durch die SLM ist somit nicht nur medienpolitisch, sondern auch demokratietheoretisch zu verorten: Sie dient der Sicherung lokaler Öffentlichkeit als elementarer Bestandteil demokratischer Willensbildung. Die hier beantragte Evaluation hat daher den Anspruch, nicht nur Output-Kennzahlen (z. B. produzierte Sendeminuten) zu erfassen, sondern die Qualität der geförderten journalistischen Angebote normativ-analytisch im Hinblick auf Vielfalt, Qualität und gesellschaftliche Relevanz empirisch zu bewerten.

Projektlaufzeit

01.01.2026 - 31.12.2026

Projektleitung

Mittelgeber

Gebührengelder der Sächsischen Landesmedienanstalt

Förderprogramme

Auftrag