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Krisenkommunikation und Governance in Berlin (KRIKO-BE )

Forschungsprojekt

Großflächige Stromausfälle stellen die Risiko- und Krisenkommunikation in Städten vor vielschichtige Herausforderungen. Die jüngsten Ereignisse in Berlin – zuletzt in Steglitz-Zehlendorf und Treptow-Köpenick – haben die strukturellen Defizite deutlich offengelegt: Warnmeldungen erreichen nicht alle Bevölkerungsgruppen, digitale und analoge Wege greifen nicht ineinander – und ältere, pflegebedürftige oder Menschen mit Sprachbarrieren werden im Krisenfall nicht oder nicht rechtzeitig informiert. Bevölkerungsdichte, Vielsprachigkeit, soziale Heterogenität und eine hohe Infrastrukturabhängigkeit machen Berlin zu einem besonders anspruchsvollen Kontext für Krisenkommunikation. Wachsende Anforderungen an kritische Infrastrukturen, Cybersicherheit und KI definieren den regulatorischen Rahmen für Kommunikationsmaßnahmen dabei immer wieder neu. 

Dass koordinierte, zielgruppengerechte Kommunikation im Krisenfall einen Unterschied machen kann, zeigen lokale Initiativen: Ein WhatsApp Kanal des Bezirksamts Treptow-Köpenick und spontane Anlaufstellen in Jugendfreizeiteinrichtungen und Kirchen in Steglitz-Zehlendorf belegen dies eindrücklich. 

Wie soziale und technische Strategien dabei systematisch zusammenwirken können, ist wissenschaftlich bislang kaum untersucht. KRIKO-BE setzt genau hier an. Den Ausgangspunkt bilden reale Krisenerfahrungen der Berliner Bevölkerung – und die Lücken, die dabei sichtbar wurden. Auf dieser empirischen Grundlage werden nutzer*innenorientierte, sozialräumliche und regulatorische Anforderungen in technisch robuste und praxistaugliche Lösungen überführt. Bis Ende 2027 entstehen so erprobte Werkzeuge für den Krisenfall: eine digitale Kommunikations-Heatmap mit Handlungsempfehlungen für zwei Bezirke; Bildungsformate, die Schulen und Kieze auf Blackouts vorbereiten; ein VR-Training für realitätsnahe Krisensituationen; ein KI-gestützter Kommunikationskanal, der auch vulnerable Gruppen zuverlässig erreicht; sowie einen Governance-Rahmen, der technische Machbarkeit, rechtliche Zulässigkeit und soziale Verantwortung verbindet.

KRIKO-BE wird im Verbund von vier Berliner Hochschulen umgesetzt. Die HTW Berlin verantwortet Bedarfsanalyse und Public Service Design: Kommunikationsbedarfe werden aus Bürger*innenperspektive in zwei Bezirken erhoben sowie Stärken und Schwachstellen bestehender Krisenkommunikation analysiert. Daraus entsteht beispielweise eine digitale Kommunikations-Heatmap für beide Bezirke, konkrete Handlungsempfehlungen für Kommunikationsmaßnahmen, immersive Szenarien im Sicherheitslabor von Fraunhofer FOKUS sowie ein KI-Trainingstool in Kooperation mit vr4content GbR zur zwischenmenschlichen Kommunikation zwischen Einsatzkräften und Bürger*innen. Ergänzend werden Szenarien für Trainingsformate entwickelt.

Die ASH Berlin verantwortet partizipative Sozialarbeitsforschung: Mittels explorativer Interviews mit Fachkräften, Nutzer*innen sozialer Dienste und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen spontaner Nothilfe, sowie einem Reallabor, werden Bottom-up-Bedarfe, informelle Hilfsstrukturen und die Perspektiven vulnerabler Gruppen, insbesondere Jugendlicher, erfasst. Die Ergebnisse fließen unter anderem in Bildungsmaterialien für Sozialprofessionelle in Krisen und Notlagen ein.

Die BHT entwickelt im Rahmen des Vorhabens einen mehrsprachigen KI-Kommunikationskanal auf Basis einer STT–LLM–TTS-Kette für die Telefonie, der als Open-Source-MVP veröffentlicht wird, virtuelle Trainingsformate zur Simulation realistischer Einsatzszenarien für Feuerwehr und Bezirksämter (in Kooperation mit VR4Content und der Berliner Feuerwehr) sowie ein Serious Game als spielbasiertes Bildungsformat für Schulen und Bezirke.

Die HWR Berlin verantwortet Governance und Regulatorik: KRITIS-Vorgaben, EU AI Act und NIS-2 werden in Gestaltungsrichtlinien überführt, in einem Governance-Lab erprobt und in einem modularem Playbook für Bezirksämter und KRITIS-Akteure konsolidiert.

Die Partner aus Wissenschaft und Praxis – Fraunhofer FOKUS, VR4Content, die Bezirksämter Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf, die Berliner Feuerwehr, die Senatsverwaltung für Inneres und Sport sowie der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin – sind von Beginn an in Entwicklung, Erprobung und Evaluation eingebunden.

Projektlaufzeit

05.02.2026 - 31.12.2027

Projektleitung

Projektmitarbeiter_innen

  • Stefanie Voß (Projektmitarbeiter_in)
  • Hannah Unfried (Studentische Hilfskraft)

Mittelgeber

IFAF

Kooperationspartner

  • Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport
  • Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin
  • Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin
  • Berliner Feuerwehr

Homepage

https://www.ifaf-berlin.de/projekte/kriko-be/