Berliner Kiezbote liefert Pakete zur Wunschzeit: Aus Forschungsprojekt wird ein Start-up

30. Juni 2021 — Er kommt mit dem umweltfreundlichen Lastenrad, muss nicht in der zweiten Reihe parken und liefert Pakete aller Versender und Lieferdienste zur gewünschten Uhrzeit direkt an die Wohnungstür: der Berliner Kiezbote. Das nach zwei Jahren endende Forschungsprojekt war so erfolgreich, dass es jetzt als Start-up weitergeführt wird. „Wir haben gesehen, dass die Idee funktioniert und konnten nachweisen, dass Empfänger_innen mit dem Kiezboten viel zufriedener waren als zuvor“, fasst der Logistikexperte und Projektleiter Prof. Dr. Stephan Seeck (HTW Berlin) zusammen. Auch wirtschaftlich sei der Betrieb möglich, vorausgesetzt, es gibt genügend zahlungsbereite Kundschaft.

Der Pilotversuch hatte im Juli 2020 in vier ausgewählten Postleitzahl-Gebieten im Bezirk Charlottenburg begonnen und bei der Bevölkerung rasch Zuspruch gefunden. Insgesamt über 200 Haushalte ließen sich registrieren. Die Kiezboten sammelten deren Pakete in einem Mikro-Depot im Kiez und stellten sie nach individueller Terminvereinbarung per App umweltfreundlich mit dem Lastenrad zu.

Während der Service in der Pilotphase kostenlos war, muss die junge Kiezbote GmbH nunmehr Gebühren verlangen. „Ab 100 Paketen am Tag schaffen wir es, operativ wirtschaftlich zu werden“ sagt Daniel Quiter, angehender Geschäftsführer des frisch gegründeten Unternehmens. Außerdem teste man verschiedene Möglichkeiten, zusätzliche Services zu etablieren, z. B. die Retourenabholung oder die Mitnahme und Entsorgung von Sperrmüll. „Vielleicht bringen wir auch schon bald das Feierabendbier mit den Paketen vorbei“, sagt Quiter. Gelingt es dem Team, ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzubauen, dann ist für 2022 die Expansion in andere Kieze und Städte geplant. Anfragen gibt es bereits.

Am Forschungsprojekt beteiligt waren neben den beiden Hochschulen HTW Berlin und HWR Berlin auch mehrere Berliner Unternehmen: der Online-Händler Zalando SE, das Radlogistikun-ternehmen Cycle Logistics CL GmbH und die Logistikberatung 4flow AG. Während des Projekts kamen folgende Partner mit dazu: Pickshare® (Software), citkar (Lastenrad), nebenan.de und die Charlottenburger Baugenossenschaft. Der Berliner Senat hat das Projekt über das Institut für angewandte Forschung Berlin (IFAF Berlin) gefördert.