Makroökonomische Divergenzen und die Notwendigkeit von Stabiliserungspolitik in eiern Neukeynesianischen Währungsunion (Eurostabilität)

Ausgangspunkt des Forschungsprojektes war die Beobachtung anhaltend divergenter Inflations- und Wachstumsentwicklungen innerhalb der EWU in den Jahren nach Einführung der gemeinsamen Währung, die die Befürchtung eines Auseinanderbrechens der Währungsunion genährt haben.

Belke und Gros (2006) sowie Geiger und Spahn (2006) zeigen in einem einfachen dynamischen Modell mit adaptiven Erwartungen zur Analyse der Stabilitätseigenschaften der Währungsunion, dass Inflationsdivergenzen in einem solchen Modell zwei gegenläufige Effekte haben: Einerseits können sie – bei einheitlichem Nominalzins – unterschiedliche Realzinsen zur Folge haben, andererseits verändert sich der reale Wechselkurs zwischen den Ländern der Währungsunion bei Inflationsunterschieden dauerhaft. Beides löst mehr oder weniger anhaltende Anpassungen aus. Zu den Vorschlägen, die zu einer Verbesserung der Anpassungsgeschwindigkeiten beitragen sollen, zählen der Abbau von Rigiditäten und die Flexibilisierung von Arbeitsmärkten, die Einführung intra-nationaler fiskalischer Transfermechanismen sowie eine lohnpolitische Koordinierung. Allerdings bedarf es für die Bewertung dieser Vorschläge immer geeigneter makroökonomischer Modelle, die auf dem aktuellen Forschungsstand aufbauen sollten.

Viele Autoren verwenden deshalb zum Teil einfache Neukeynesianische Makromodelle mit vorwärtsgerichteten oder hybriden IS- und Phillipskurven zur Analyse. Jedoch lässt die Behandlung des Themas zahlreiche Fragen offen, u.a.:

  • An welchen Parametern hängt es, ob der Prozess konvergent oder divergent ist bzw. was sind die Stabilitätsbedingungen des Systems? Ist der Anpassungsprozess in der EWU grundsätzlich divergent oder konvergent? Für welche Länder ist er divergent?
  • Wie wirkt eine Einführung von Stabilisierungsmechanismen, d.h. Arbeitslosen-Versicherung oder ein anderer fiskalischer Transfermechanismus, lohnpolitische Koordinierung, Veränderung der geld- und fiskalpolitischen Reaktionsfunktionen?
  • Wie beeinflussen diese Punkte einerseits Wechselkurs- und Realzinskanal und wie andererseits Persistenz von Wachstum und Inflation?

Erstes Ziel des Projektes war eine Analyse der Dynamik und Stabilität der Anpassungsprozesse innerhalb der Währungsunion basierend auf der Untersuchung von Differenzengleichungssystemen. Dabei war eine Klassifikation der Mitgliedsländer nach Konvergenz- und Divergenzgefahr aus der Analyse der Stabilitätsbedingungen des Differenzengleichungsansatzes vorzunehmen.

Das zweite Ziel des Projekts bestand in der Simulation eines einfachen Neukeynesianischen Makromodells mit mehreren Ländern, welches schrittweise und konsistent an die aus der Sicht der Projektantragsteller erforderlichen Anforderungen anzupassen war. Hier sollte untersucht werden, wo Notwendigkeiten und Spielräume von (Geld-, Lohn-, Fiskal-, Ordnungs-) Politik bestehen, wohlfahrtsverbessernd einzugreifen.

Drittes Ziel des Projektes war es, diejenigen Kanäle in einem solchen Neukeynesianischen Modell genauer zu benennen, die Kandidaten für anhaltende Divergenzen und langsame Anpassungen sind. Diese Kanäle sollten explizit modelliert werden um zu zeigen, welchen Einfluss sie auf die Geschwindigkeit der Anpassung haben. Dazu sollte über Impuls-Antwort-Folgen ein Vergleich des Einschwingverhaltens unter verschiedenen Parameterkonstellationen erfolgen.

Projektlaufzeit

1.11.2007 - 31.1.2010

Projektleitung

Kooperationspartner

  • Universität Hamburg, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Department Wirtschaft und Politik

Mittelgeber

Hans-Böckler-Stiftung, Universität Bamberg