Theorie und Praxis von Anreiz- und Steuerungssystemen im Hinblick auf die Verbesserung der Hochschullehre (Anreizsysteme)

In den vergangenen Jahren sind in erheblichem Umfang neue Anreiz- und Steuerungsmechanismen im deutschen Hochschulsystem diskutiert und auch eingeführt worden. Diese wurden dabei unter unterschiedlichen Begriffen und mit unterschiedlichen Intentionen debattiert bzw. implementiert: genannt seien hier u. a. die leistungsorientierte oder indikatorgestützte Mittelzuweisung, formelgebundene Finanzierung etc. als Formen einer anreizgesteuerten Finanzierung. Auch die Einführung von Studiengebühren wurde vor diesem Hintergrund von Anreiz- und Steuerungsmechanismen vorangetrieben. Neben der Steuerung von Finanzströmen zwischen Land und Hochschulen werden in zunehmendem Maße Finanzströme auch innerhalb der Hochschulen zumindest in Teilen durch ähnliche Instrumentarien gelenkt und gesteuert. Ziel ist es, eine an definierten Erfolgskriterien orientierte, effiziente Mittelverteilung zu gewährleisten. Darüber hinaus wird über positive Anreizsetzungen oder Chancen des Reputationsgewinns Einfluss auf die inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung von hochschulischen Angeboten zu nehmen versucht; zu nennen sind Preise für gute Lehre, kostengünstige Weiterbildungsangebote für Wissenschaftler/innen, externe Zertifikationen und dergleichen.

Was bisher aber fehlt, ist eine theoretisch fundierte Analyse der durch die Instrumente intendierten Wirkungen sowie ein Abgleich mit den tatsächlich erreichten Wirkungen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die leistungsorientierte oder indikatorgestützte Mittelzuweisung, die über die vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre in fast allen Bundesländern mit einer ähnlichen Grundkonzeption, jedoch mit im Detail sehr unterschiedlicher Ausgestaltung und auch in sehr unterschiedlichem Umfang hinsichtlich der darüber verteilten Mittel eingeführt worden sind. Die Spannbreite der Modelle reicht dabei von einer vollständigen Zuweisung der Landeszuweisungen auf der Basis von Studienplatzkosten wie in Hessen bis hin zu vergleichsweise gering erscheinenden Ausgabenanteilen, die sich nur auf einige Prozent der laufenden Ausgaben für Lehre und Forschung beziehen.

Die Zielsetzung des Projekts besteht darin, einerseits eine Theorie von Anreiz- und Steuerungsmechanismen unter Berücksichtigung der in den einzelnen Bundesländern eingeführten Modelle zu entwickeln, und andererseits diese implementierten Modelle dann anschließend im Hinblick auf die Zielerreichung zu untersuchen. Vor dem Hintergrund sowohl gesellschaftlicher als auch hochschulsysteminterner Problemstellungen – wie dem drohenden Fachkräftemangel bei gleichzeitig bisher oft mangelnder Anerkennung des Bachelorabschlusses als qualifizierendem Hochschulabschluss, im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Studienzugangsquoten oder auch im OECD-Schnitt eher hohe Studienabbruchsquoten – ist insbesondere danach zu fragen, welche Rolle der Lehre im Verhältnis zur Forschung zugewiesen wird und vor allem der Qualität der Lehre zukommt.

Die Erkenntnisse des Projekts sollen daher Schlüsse darüber zulassen, welche Anreiz- und Steuerungsmechanismen die Effizienz von Lehre in inhaltlicher, methodisch-didaktischer aber auch organisatorischer Hinsicht verbessern können und in die Modifikation der Zuweisungsregelungen einfließen.

Projektlaufzeit

1.11.2008 - 31.10.2011

Projektleitung

  • Prof. Dr. Klaus Semlinger

Kooperationspartner

  • FIBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie Berlin
  • Universität Bielefeld
  • Universität Bamberg

Mittelgeber

BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung

Förderprogramme

Empirische Bildungsforschung