Die Rolle der Wirtschaftsprüfer bei der Arisierung von Aktiengesellschaften - unter besonderer Berücksichtigung der Bereicherung des Deutschen Reiches im Nationalsozialismus -

Zentraler Bezugspunkt war die Frage, ob eine politische Instrumentalisierung der erst 1931 geschaffenen Berufsgruppe der Wirtschaftsprüfer für Zwecke der Wirtschaftssteuerung und –kontrolle während der NS-Zeit stattgefunden hat.

So vertritt bspw. Bähr (J. Bähr, „Corporate Governance“ im Dritten Reich; in: Abelshauser/Hesse/Plumpe (Hrsg.), FS für D. Petzina, 2003, S. 76 f., 80) zum Problem von Steuerung und Kontrolle durch Wirtschaftsprüfer die Ansicht, dass die Wirtschaftsprüfer - anders als die Leitungen privater Unternehmen - wegen ihres öffentlich lizenzierten Status‘ nach 1933 zunehmend politisch gelenkt wurden und eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Errungenschaften der Weimarer Zeit, die aktienrechtliche Pflichtprüfung, sich zunehmend in ein Instrument staatlicher Kontrolle wandelte. Diese Ansicht wurde als Arbeitshypothese in das Zentrum der Untersuchung gestellt: Sie fragte nach einer politischen Steuerung und Kontrolle sowohl der Wirtschaftsprüfer selbst - als auch der durch sie geprüften Unternehmen im nationalsozialistisch geführten Staat.

Dabei setzte die Analyse die Berücksichtigung fachlicher Einschätzungen der Bilanzierung und Bewertung von Aktiengesellschaften, beispielsweise des Vorrats- und Finanzvermögens, im Rahmen der seinerzeitigen gesetzlichen Bestimmungen voraus.

Diese waren zunehmend geprägt von der auf der Unternehmensebene erzwungenen Gewinnthesaurierung mit der Neutralisierung der Arisierungs- und Kriegsgewinne als stille Reserven in Gestalt einer progressiven Selbstfinanzierung bis hin zur Gewinnabsaugung durch eine sich von Jahr zu Jahr verschärfende Unternehmenssteuerbelastung. Der Forschungsgegenstand erhielt damit eine betriebswirtschaftliche Perspektive, die sowohl die Rechnungslegung als auch die Gewinnbesteuerung umfasste.

Projektlaufzeit

1.10.2013 - 31.3.2014

Projektleitung