Sexualisierte Diskriminierung & Gewalt

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Diskriminierungsverbot

"Die HTW Berlin fördert das Ziel, ein sicherer, diskriminierungs- und gewaltfreier Lern-, Lehr- und Arbeitsort zu sein, geprägt von einem Klima der Akzeptanz und des Vertrauens sowie einer fairen, solidarischen, respektvollen und wertschätzenden Organisationskultur. […] Die HTW Berlin fördert eine Kultur des Hinsehens und des Benennens von diskriminierendem, übergriffigem oder gewalttätigem Verhalten. Sie fordert ihre Mitglieder auf, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. […] Betroffene erhalten bestmögliche Sicherheit und Schutz. Verursacher_innen müssen sich für ihre Handlungen verantworten."

Dies ist ein Auszug aus der Antidiskriminierungsrichtlinie, die sich unsere Hochschule gegeben hat. Beschrieben werden Werte und Verhaltensregeln, die für alle Hochschulangehörigen verbindlich sind.

Die erlebte Realität kann allerdings sehr anders sein. Auch an der HTW Berlin können Menschen mit sexualisierter Diskriminierung und Gewalt konfrontiert sein. Denn Hochschulen sind hierarchisch strukturiert und es bestehen Abhängigkeitsverhältnisse, z.B. zwischen Studierenden und Lehrenden, Praktikant_innen und Vorgesetzten, wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen und Projektleitungen. Gelegentlich verschwimmen auch die Grenzen zwischen Studium / Arbeit und Privatleben, wenn sich beispielsweise eine Lerngruppe auf ein Feierabendgetränk trifft.

Für die Bewertung eines Erlebnisses zählt allein, dass sich ein Mensch diskriminiert fühlt. Die Betroffenen selbst bzw. die Zeug_innen ordnen ein Verhalten als problematisch ein. Dabei kommt es nicht darauf an, ob eine Diskriminierung beabsichtigt war.

Als Betroffene_r sind Sie kein Einzelfall und tragen keine Verantwortung für das Fehlverhalten anderer Menschen. Vielen Betroffenen hilft es, sich an eine interne oder externe Beratungsstelle zu wenden und von dem Vorfall zu erzählen. Sie haben auch die Möglichkeit, offiziell Beschwerde einzureichen. In diesem Fall sollten Sie sich vorab - auf Wunsch anonym - beraten lassen.

Werden Sie Zeug_in von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt, zeigen Sie sich solidarisch und bieten Sie den Betroffenen Ihre Unterstützung an! Sie haben auch die Möglichkeit, mutmaßliche Diskriminierungsvorfälle zu melden.

Was ist sexualisierte Diskriminierung und Gewalt?

Als sexualisierte Diskriminierung und Gewalt werden alle sexualisierten Verhaltensweisen verstanden, die ungewollt, unerwünscht, unangebracht oder nicht einvernehmlich sind. Dazu gehören:

  • anzügliche Bemerkungen und Witze,
  • herabwürdigender Sprachgebrauch,
  • Gesten und nonverbale Kommentare,
  • verbale, bildliche oder elektronische Präsentation sexistischer oder pornografischer Darstellungen,
  • Annäherungsversuche, Aufdringlichkeiten, Berührungen, Körperkontakt, sexuell zu verstehende Gefühlsbekundungen,
  • Aufforderung zu sexuellem Kontakt,
  • Nötigung mit (auch mittelbarem) sexuellem Hintergrund,
  • Verhaltensweisen und Handlungen, die nach dem Sexualstrafrecht verboten sind.

Beratung & Unterstützung an der HTW Berlin

Betroffene, deren Vertrauenspersonen und Zeug_innen können jederzeit Kontakt zu den Frauenbeauftragten sowie zur psychologischen Beratung der HTW Berlin aufnehmen. Die hauptberufliche Frauenbeauftragte, die Frauenbeauftragten der Fachbereiche, der Zentralen Verwaltung und der Zentraleinrichtung für Fremdsprachen hören zu, unterstützen beim Nachdenken über die nächsten Schritte, informieren über die Beratungs- und Unterstützungsangebote externer Organisationen. Sie sind zu strenger Vertraulichkeit verpflichtet und werden nur aktiv, wenn die Ratsuchenden das ausdrücklich wünschen. Auch eine anonyme Kontaktaufnahme und Beratung ist möglich. Gleiches gilt für die psychologische Beratung.

Beratung & Unterstützung in Berlin

In Krisensituationen stehen Ihnen der Krisendienst in Berlin  mit Frauenberatungsstellen, Frauenhäusern, Zufluchtswohnungen und Hilfe für Mädchen zur Seite.

Die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen* LARA berät und unterstützt Betroffene sowie deren Angehörige und Vertrauenspersonen. Die Angebote sind mehrsprachig. Auch eine Rechtsberatung durch Juristinnen ist möglich.

Von Stalking oder Cybermobbing Betroffene, deren Angehörige sowie Multiplikator_innen können sich an das Anti-Stalking-Projekt am FRIEDA Frauenzentrum Berlin wenden.

Für von sexualisierter Gewalt Betroffene erstellt das Team der Gewaltschutzambulanz der Charité Berlin eine kostenlose rechtsmedizinische, gerichtsfeste Dokumentation. Alles geschieht in Absprache mit den Betroffenen und mit deren ausdrücklichem Einverständnis. Die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht – auch gegenüber der Polizei und den Gerichten. Entscheiden sich Betroffene später für eine Anzeige, kann die Dokumentation in ein Gerichtsverfahren (Straf-, Zivil- und/oder Familiengericht) einbezogen werden.

Materialien

Im Folgenden finden Sie ausgewählte Problemanalysen und Handlungsempfehlungen, die sich z.T. auf die Arbeitswelt allgemein, z.T. auf den Hochschulkontext beziehen:

Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2015): Sexuelle Belästigung im Hochschulkontext. Schutzlücken und Empfehlungen. Online-Publikation [Download]

Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2019): Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Lösungsstrategien und Maßnahmen zur Intervention. Online-Publikation [Download]

Specht, Holger (2015): Verdacht auf Missbrauch von Macht. Verdacht auf sexuelle Gewalt. Fürsorgepflichten des klärenden Systems. In: Interdisziplinäre Fachzeitschrift | Jahrgang 18 | Heft 2 | S. 224-237 [Download]