Transversales Kompetenzmanagement für mehr Nachhaltigkeit in den Berufsbildern am Beispiel des Fleischerhandwerks und der Fleischwarenindustrie (TRANS-SUSTAIN)

Das Projektvorhaben „TRANS-SUSTAIN“ steht für die Erforschung und Entwicklung eines ganzheitlich und transversal angelegten Kompetenzrahmens sowie der entsprechend damit verbundenen kompetenzförderlichen Umgebungen und Instrumente im Anwendungsfeld von kleinen und mittleren Fleischerbetrieben, die sowohl Schlachtung oder Fleischverarbeitung als auch den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren praktizieren.

Der Projektname „TRANS-SUSTAIN“ ist ein Kunstname, der bereits die beiden wesentlichen Bezugspunkte im aktuellen Bildungs- und Qualifizierungs-Diskurs adressiert:
A) Nachhaltigkeits-Orientierung in der Fleischer-Branche sicherstellen: Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development) spiegelt die hochkomplexen Herausforderungen heutiger und zukünftiger Unternehmen wider, wie mit neuen und disruptiven Entwicklungen in Umwelt, Ökonomie und Gesellschaft umgegangen wird. Die Industrie und Politik sind gefordert, die weltweit einheitlichen Sustainable Development Goals und die im Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ definierten Ziele zügig in ihren Strukturen, Systemen, Prozessen etc. umzusetzen. Jedoch fehlen oftmals, vor allem in der mittelständisch geprägten Industrie bzw. im Handwerk, auf Akteursebene die richtigen Instrumente und Anwendungsformate, um bei den Akteuren das Wissen und die notwendige Handlungskompetenz zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele aufzubauen.
B) Transversale Gestaltung von Qualifizierung und Kompetenzentwicklung: Die Gestaltung eines transversal sowie integrativ angelegten Kompetenzmanagements ist der Schlüssel zur Umsetzung komplexer Qualifikationsziele vor dem Hintergrund sich permanent verändernder Rahmenbedingungen auf Akteursebene. Mit einem transversalen Kompetenzmanagement wird es möglich, die Systeme und Inhalte zum systematischen Kompetenzaufbau zu gestalten und damit die Systemebenen zwischen Praxis und anwendungsorientierter Bildung durchlässiger und anschlussfähiger zu machen. Der Begriff „transversal“ steht dabei für den Einbezug aller Kompetenzentwicklungsebenen, von der Wirtschaft, über die Bildung bis hin zum einzelnen Akteur. Ziel dieses Vorhabens ist es, vor allem die Systeme, Rollen und Instrumente zu gestalten, um die strategischen Nachhaltigkeitsziele mit der Kompetenzebene der Akteure zu verbinden, qualifikatorische Risiken zu minimieren und Kompetenzaufbau akteursorientiert zu gestalten.

Unser Forschungskontext: Anwendungsforschung in einem weitestgehend „ignorierten“ und prekären Handwerk

Bewusst adressieren wir unser Forschungsvorhaben anhand eines Modellvorhabens im Bereich kleiner und mittlerer Betriebe des Fleischerhandwerks. Die Fleischerbetriebe, die sowohl Schlachtung oder Fleischverarbeitung als auch den Verkauf von Fleisch und Wurstwaren praktizieren, sind insbesondere von der Nachhaltigkeitsdiskussion betroffen – bleiben aber weitestgehend bei den „großen“ Bildungs- und Qualifikationsdebatten außen vor. Die besondere Herausforderung sehen wir darin, durch TRANS-SUSTAIN Fragen zu adressieren, wie die Betriebe trotz herausfordernder Themen wie nachhaltige Tierzucht, komplexe Logistikketten und auch prekäre Beschäftigungsformen in der Lage sind, ganzheitlich und akteursorientiert die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele mit Blick auf einen akteursgeleiteten Kompetenzaufbau sicherzustellen.

Herausheben möchten wir, dass TRANS-SUSTAIN nicht primär auf geschäftspolitische Innovationen oder Instrumente der CSR-Debatte fokussiert. Vielmehr soll das Projekt seine Wirkung auf der qualifikatorischen und kompetenzstrukturellen Ebene der Akteure entfalten, die für die Anwendung der Nachhaltigkeitsthemen im fleischverarbeitenden Gewerbe verantwortlich sind.

Inhaltlich nehmen wir aus qualifikatorischer Sicht direkten Bezug auf den Erfolg beim Aufbau neuer Kompetenzen zur Umsetzung der CSR-Themen in der Praxis, u.a.:

  • die Sensibilisierung der Akteure für die Komplexität regionaler Wertschöpfungsketten in der fleischverarbeitenden Industrie/im Fleischereihandwerk,
  • der Kompetenzerweiterung der Fachkräfte und insbesondere auch des ausbildenden Personals und von Auszubildenden im Hinblick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen im Kontext Markt und Kunde als beteiligte „Change Agents“
  • Vermittlung differenzierter Interpretationsschemata für ein differenziertes Verständnis für die Veränderungen in Bezug zu differenten Geschäftsmodellen und Vertriebskonzepten, sowie
  • neue Interpretationsschemata beruflicher Aktivitäten und damit neuer Vermarktungschancen für die Betriebe.

Projektlaufzeit

1.5.2018 - 30.4.2021

Projektleitung

Projektmitarbeiter/innen

Kooperationspartner

  • Universität Erfurt, Fachgebiet Berufspädagogik und Weiterbildung
  • https://www.uni-erfurt.de/forschung/forschungsprojekte/bildung/forschungsprojekte-bildung/trans-sustain-transversales-kompetenzmanagement-fuer-mehr-nachhaltigkeit-in-den-berufsbildern/

Mittelgeber

Bundesinstitut für Berufsbildung mit Mitteln des Bundesministerium für Bildung und Forschung im Förderprogramm "Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019"

Förderprogramme

BBNE 2015 - 2019