Ökonomische Grundlage der Entwicklung eines Zentralortes: Produktion und Handel von Eisen im römischen Seleukeia Sidera (Pisidien)

Sonstiges Projekt

Die antike Stätte Seleukeia Sidera liegt etwa 15 km nordöstlich der Stadt Isparta im westlichen Taurusgebirge der Türkei. Die Region gehörte zur ehemaligen Provinz Pisidien. Die Stadtgründung von Seleukeia erfolgte in der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr., entweder durch Seleukos I Nikator oder durch Antiochus I Soter. Vermutlich spielten vor allem strategische Gründe eine Rolle, da es die Militärstraße durch das nördliche Pisidien zu schützen galt. Eine geostrategische Position lässt sich zudem aus der Lage zwischen zwei großen Gewässern ableiten, dem Burdur-See und dem Eğirdir-See. Somit war die Kontrolle des Nord-Süd-Verkehrs ermöglicht, der die ausgedehnte Senke zu Füßen der Stadt querte. In römischer Zeit wurde die Stadt unter Claudius restauriert, und ihr Name wechselte zu Claudioseleukeon. In byzantinischer Zeit erhielt der Ort den Beinamen Sidera. Der griechische Zusatz lässt auf eine Bedeutung in der Eisenmetallurgie schließen. Noch heute finden sich zahlreiche Spuren der Eisenproduktion und -verarbeitung in Form von Abfallprodukten, den Schlacken.

Das Projekt zielt darauf ab, die aus den Quellen und aus dem Namenszusatz "Sidera" abzuleitende Bedeutung von Seleukeia als Zentrum der Eisenmetallurgie im Zuge feldarchäologischer Maßnahmen näher zu betrachten. Voraussetzung dafür ist die vollständige Erfassung der antiken Stadt mittels geophysikalischer Prospektionen. Nur auf dieser Grundlage sind Aussagen zur Bebauungsdichte, Besiedlungsdynamik und zur funktionalen Gliederung der Stadt möglich, insbesondere zum Anteil der Metallurgie am Gewerbe. Zu erwarten ist, dass sich die Schmiedewerkstätten an bestimmten Stellen konzentrierten, die topographischen Gegebenheiten ausnutzend, vermutlich auch vorherrschende Windrichtungen berücksichtigend.
Ein Schwerpunkt des geplanten Projektes liegt in der Untersuchung der Produktionsbereiche, die sich ausgehend von den Schlacken vor allem östlich um den zentralen Hügel erstrecken. Darüber hinaus soll die Herkunft des verwendeten Erzes geklärt werden, womit sich ein landschaftsarchäologischer Bezug ergibt.
Darauf aufbauend soll in einer archäologisch-historischen Auswertung die Frage der Entwicklung zentraler Funktionen vor dem Hintergrund der regionalen Siedlungsgeschichte näher betrachtet werden. Die archäologischen Untersuchungen in Seleukeias Territorium zeigen bereits, dass diese Kolonie enge Verbindungen zu den kleineren Siedlungen wie Konane, Erlenler Tepe und anderen hatte. Diese wurden wahrscheinlich gegründet, um die Sicherheit von Seleukeia aufrechtzuerhalten. Sehr wahrscheinlich hatten sie enge Verbindungen in Bezug auf militärische und wirtschaftliche Aktivitäten.

Projektlaufzeit

01.06.2018 - 31.12.2021

Projektleitung

Mittelgeber

Gerda Henkel Stiftung

Kooperationspartner

Süleyman Demirel Universität Isparta (Türkei)